Ein Mordsplan – Teil 2
Whiteboard kommt von white
Die Eckpunkte stehen mittlerweile fest, aber noch immer wartet ein sehr weißes Whiteboard darauf, mit den Szenen der Geschichte bunt bestückt zu werden. Es geht ans Plotten.
Oktober 2017
Wie ein Krimi entsteht – von der Idee zum Buch, Teil 3
Nachdem man die grundsätzliche Entscheidung Plotten oder Drauflosschreiben getroffen hat, stellt sich in einem weiteren Schritt die Frage, nach welchem Verfahren plotte ich. Denn es gibt verschiedene Wege an das Outlining heranzugehen: Drei-Akt-Modell, das ‚W‘, die Heldenreise, die Schneeflocke und noch unzählige mehr, die sich teilweise so stark ähneln, dass ihre Benennung eher ein akademischer Streit ist, als dass sie praktische Auswirkungen hat.
Ich bin vor kurzem auf das Beat-Sheet-System nach Blake Snyder gestoßen. Er verknüpft das 3-Akt-Modell mit der Heldenreise und kommt meinem üblicherweise genutzten ‚W‘-Modell ziemlich nah. Also widme ich mich der Ausarbeitung meiner Geschichte diesmal mit Hilfe des Herrn Snyder. Der hat dazu ein kluges Buch geschrieben (Save the cat!), das ich auch noch durcharbeiten werde. Zahlreiche Tutorials im Internet leiten aber auch so sehr anschaulich durch den Entwicklungsprozess.
Kleiner Exkurs: Spätestens an dieser Stelle wird deutlich, warum es immer heißt, Talent allein reiche nicht aus, Schreiben sei ein Handwerk, das erlernt werden will.
Das Erbauen der Geschichte (das Plotten oder Outlining) gehört zu diesem handwerklichen Teil und die Plotmodelle dienen als Baugerüst.
Man kann im Rahmen der künstlerischen Freiheit alle Regeln und Vorgaben brechen und negieren. Aber es schadet bestimmt nicht, sie vorher zu kennen.
Zurück zum Plot.
Die erste Aufgabe bestand darin, die einzelnen Beats stichpunktartig zu notieren. Die erste Szene zeigt den Prota in einer Alltagssituation. Bevor es einen Auslöser gibt, der die Veränderungen in Gang bringt, die zu unserer Geschichte werden. Wichtige Figuren treten hinzu, die Handlung nimmt Fahrt auf, wir kommen zum ersten Wendepunkt.
Diese Punkte kleben auffordernd am Whiteboard und warten darauf, mit Leben gefüllt zu werden.
Eine grobe Idee von der Geschichte habe ich natürlich schon. Was ist passiert? Wer ist der Täter? Was ist sein Motiv? Nun kommt der Teil, der einerseits der kreativste ist, andererseits aber auch anstrengend. Denn nun gehe ich Szene für Szene durch und fülle sie mit Leben.
Meine erste Hauptfigur Pierre in einer Alltagssituation: Er hat Gäste auf seinem Weingut. Einer davon ist das spätere Opfer. Die Gäste geraten in Streit: Erste Konflikte werden angerissen.
Am nächsten Morgen kommt mein zweiter Protagonist hinzu. Hannes geht wie jeden Morgen mit seinem Hund spazieren.
Der Auslöser: Beide Protagonisten finden den Toten. Jetzt wird die Geschichte zum Kriminalfall.
Meine Protagonisten müssen in die Geschichte hineingezogen werden: Die ermittelnde Beamtin ist die Enkelin von Hannes. Und Pierre gerät ins Visier der Polizei.
So entwickelt sich die Geschichte Szene für Szene. Das Whiteboard füllt sich. Parallel dazu nimmt auch die Charakterentwicklung der Figuren Formen an.
Als nächstes geht es ans Schreiben. [Anmerkung: Na ja, fast. Recherchiert werden musste auch noch]
Schon sehr viel bunter
Die Beats mit ihren konkreten Szenen. Es kann geschrieben werden!
Recherche
Wenn Autorinnen und Autoren nur die Hälfte von dem behalten würden, was sie sich im Laufe ihrer Arbeit an Wissen aneignen, würden sie jedes Quiz locker gewinnen!
Juni 2019
Wie ein Krimi entsteht – von der Idee zum Buch, Teil 4
[Anmerkung: Zwischen der ersten Idee, der Ausarbeitung des Plots und der jetzt anstehenden Recherche ist einige Zeit vergangen. Buchprojekte kamen dazwischen, aber ganz aus den Augen verloren habe ich den Krimi nie.]
Die Story steht soweit, der Plot scheint vorerst rund zu sein. Ob er es ist, wird sich beim Schreiben zeigen und danach haben die Testleser das Sagen.
Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg.
Bevor ich in die Tasten hauen kann, muss ich mir noch einige Informationen beschaffen. Es geht heute somit um die Recherche.
Häufig gehört die Recherche bereits zum Prozess des Outlinings. In meinem Fall brauchte ich keine weiteren Informationen für die grobe Szenenstruktur, aber jetzt, da es sich beim Schreiben um die Kleinigkeiten drehen wird, muss ich nachforschen.
Mein Krimi soll im Mai spielen. Da es ein Winzerkrimi ist, musste ich also in Erfahrung bringen, welche Arbeiten im Wonnemonat in den Weinbergen anstehen. Dabei stellte ich fest, dass es sogar einen Unterschied macht, in welchem Zeitraum des Mais die Handlung angelegt wird. Anfang Mail geht es noch um das Ausbrechen, während gegen Ende Mai die Reben geheftet werden und dann steht auch schon die Blüte vor der Tür, sodass Aufgaben wie Pflanzenschutz immens wichtig sind.
Für den eigentlichen Krimiteil werden Zuständigkeiten wichtig. Woher kommt die Schutzpolizei, wer rückt danach an?
Die Winzerfragen konnte ich mithilfe von Youtube und Google klären, und natürlich indem ich unsere Freunde gefragt habe.
Zum groben Ablauf der Ermittlungsarbeit gibt meine Sekundärliteratur genug her, noch dazu ist mir ein großer Teil aus meinem Brotjob bekannt.
Doch wer macht was konkret in Schwabenheim? Das Internet gab wenig dazu her, aber dann stellte ich fest, dass in den Pressestellen der Polizei Rheinlandpfalz und Mainz nette und hilfsbereite Menschen arbeiten.
Irgendwann hatte ich alles an Infos beisammen und freute mich aufs Schreiben.
[Anmerkung: Der fertige Krimi wird später Anfang September spielen.]
Neugierig auf den fertigen Krimi?
Reben und Sterben
Ein Weinkrimi aus Rheinhessen
Aufregung im beschaulichen Rheinhessen: Nicht nur, dass im sonst so friedlichen Örtchen Rebenheim die Verkostung für das alljährliche Weinwinterfest mit einem handfesten Tumult endet – obendrein wird einer der Weinbauern am nächsten Morgen tot aufgefunden. Zunächst deutet alles auf einen Unfall hin, doch schon bald gerät Winzer Pierre Fabron in Verdacht. Verzweifelt bittet er seinen Freund, den pensionierten Polizisten Hannes, um Hilfe. Als die beiden sich in den Seilschaften des Dorfes zu verfangen drohen, riskieren sie ihr Leben.
Winzer Pierre und Polizeipensionär Hannes ermitteln, GMEINER, 10. September 2025, 288 Seiten, Paperback 14,– €, ISBN 978-3-8392-0899-1